Der erste Urlaub ohne Eltern

Im Februar war es soweit: ganz spontan ist unsere Maus mit ihren 2,5 Jahren ohne Mama und Papa in den Urlaub gefahren – eine Woche Sankt Peter Ording! Wie unglaublich ist das denn bitte?

Nur eine Woche vor Abreise und ganz überraschend fragte Oma, ob die Kleine denn vielleicht Lust hätte mitzukommen. Dass sie Lust hatte stand vollkommen außer Frage. Bereits bei dem Wort „Urlaub“ ist die Tasche praktisch jedes Mal schon fast gepackt und sie steht mit Sack und Pack, dem Sonnenhut und Puppe Emma an der Tür und ruft ungeduldig „LOOOHOOOOS!“ Das war also schonmal nicht das Problem. Nein, das Problem waren diesmal tatsächlich wir. Wir, die Eltern, die sich so oft wünschen, mal wieder ganz alleine zu sein, auf dem Sofa Chips zu essen, vollkommen ohne Vorbildfunktion. Wir, die wir so gern öfter mal ausschlafen möchten. Wir, die die Maus selbst dann vermissen, wenn sie nur eine Nacht mal bei Oma und Opa schläft und wir bei dem ganzen Programm, das wir uns dann verpassen, eigentlich gar nicht mitbekommen dürften, dass sie überhaupt weg ist.

Ja, Eltern sind schon merkwürdige Gestalten. Wünschen sich mehr Freiraum, Zweisamkeit und ein Leben ohne Kontrolle und Verpflichtungen in ihrer liebsten Jogginghose, aber können dann doch nicht auf die kleinen Racker verzichten. So gingen also tausend Fragen durch unseren Kopf: „Schafft sie das so ganz alleine ohne uns? Wird sie uns zu sehr vermissen und immerzu weinen? Wird sie sich abgeschoben und von ihren Eltern ungeliebt fühlen? (Ja, klingt vielleicht lächerlich, habe ich mich aber tatsächlich gefragt . 😀 ) Ist das alles zu viel für sie? Ist sie schon bereit für eine Reise ohne uns? Wird sie Spaß haben? Wissen die Großeltern, auf was sie sich da einlassen? Kommen sie gegebenenfalls sofort zurück, falls alles schief geht?  Ist eine Woche für den Anfang vielleicht zu lang? Was, wenn die Kleine krank wird? Können wir im Notfall schnell genug wieder beieinander sein?“ Tage hat es gedauert, bis wir zumindest auf einen Teil der Fragen halbwegs passable Antworten hatten. Nach reiflicher Überlegung wurde dann einstimmig das kleine Köfferchen gepackt. Kuscheltiere, die liebsten Kleidungsstücke, Medizin und auch Bilder von Mama und Papa durften nicht fehlen. Als es dann am frühen Morgen der Abreise endlich los ging habe ich mich gefühlt wie jemand, der wohl das erste Mal Fallschirm springt. Man weiß, was im schlimmsten Fall alles passieren kann, hat auch definitiv etwas Bauchweh und höllische Angst, ist aber doch optimistisch (und lebensmüde?!) genug, um zu glauben, dass das alles schon irgendwie gut gehen wird.

Und was soll ich sagen? Es ging alles gut! Die Maus hatte die Zeit ihres Lebens, wurde verwöhnt und bespaßt, hat viele tolle Dinge erlebt, ist abends todmüde und ohne Probleme ins Bett gefallen und hat kein einziges Mal geweint. Als wir das gehört haben musste anhand ins-Bäckchen-Kneifen und tief-in-die-Augen-Schauen natürlich schon erstmal abgeklärt werden, ob das auch wirklich unsere Maus ist, die da wieder mit nach Hause gebracht worden ist. Denn so ganz ohne irgendwelche kleinen Reibereien? Unglaublich! Das war ja fast zu schön um wahr zu sein. Doch tatsächlich, es scheint alles ganz vorbildlich funktioniert zu haben. In der Ferienwohnung gab es viel Platz zum Spielen, einen Ausblick direkt auf die Dünen, ein eigenes Bettchen und sogar einen Wintergarten. Die Umgebung war wunderschön, direkt am Meer und mit vielen Möglichkeiten, selbst die Kleinsten gut beschäftigt zu wissen. Es ging dort also ins Kinderspielhaus und ins Aquarium, an den Strand, auf den Spielplatz und immer wieder lecker Essen. Mama und Papa hingegen hatten eine extrem ruhige Woche mit viel Zweisamkeit, Kino- und Restaurantbesuchen, Serienmarathons bis spät in die Nacht hinein und einigen Tränen des Vermissens. Irgendwie ironisch, die Eltern heulen und das Kind kennt kein Heimweh. Über was haben wir uns da eigentlich vorher Gedanken gemacht?

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Im Nachhinein sind wir überglücklich, dass wir diesen – für alle Beteiligten  -aufregenden, großen Schritt gewagt haben. Es war eine Win-Win-Win-Situation und wir sind wahnsinnig stolz auf unsere kleine Große, dass sie das alles, ohne auch nur das kleinste Problemchen zu sehen, gemeistert hat. Wie so oft im Leben, bin ich froh, auf mein Bauchgefühl gehört zu haben, das mich trotz der Zweifel und Ängste stets daran glauben ließ, dass das nicht nur schön werden könnte, sondern auch wahnsinnig bereichernd.

Vollständigkeitshalber möchte ich an dieser Stelle aber noch erklären, dass unsere Maus ohnehin schon immer sehr offen, selbständig, unerschrocken und wenig ängstlich ist und sich sowieso immer freut, Zeit mit Oma und Opa zu verbringen. Sie lacht ständig, ist sehr glücklich und vertraut unseren Entscheidungen (wenn es nicht gerade darum geht, dass das jetzt genug Schokolade oder Fernsehen für heute war). Das alles hilft natürlich ungemein wenn es um den ersten Urlaub ohne Eltern geht.

Liebste Grüße, Verena

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