Konzentration ade, Eisenmangel olé!

Es ist 09.02 Uhr und ich liege in meinem Schlafanzug im Bett. Die Nacht war absolut in Ordnung und trotzdem bin ich so müde, dass selbst der erste geschriebene Satz viel mehr Konzentration als üblich erfordert. Die Wäsche stapelt sich, in der Küche und auch im Bad könnte mal wieder geputzt werden. Nicht, dass das nicht öfter der Fall wäre, aber diesmal liegt es nicht an mangelnder Zeit und zu viel anderem wichtigen, das zu erledigen wäre. Eigentlich ist es zur Zeit sogar relativ ruhig. Die Maus ist bis zum Nachmittag bei der Tagesmutter, die lieben Kollegen auf der Arbeit müssen im Moment auf mich verzichten. Das Frühstück besteht trotzdem jeden Morgen lediglich aus einem lieblos in die Schüssel gestreuten Müsli mit Milch und wenn ich nur daran denke, Mittagessen zu kochen, fallen mir schon fast wieder die Augen zu. Gestern habe ich beim Kinderarzt angerufen, um den Termin für die U7a meiner kleinen Großen auszumachen und habe beim Wählen der Nummer schon wieder vergessen, wo ich eigentlich gerade anrufen wollte.  Gespräche mit mir sind vermutlich im Moment sowieso nicht so der Hit, ich kann nur schwer komplizierteren Sachverhalten wie dem Vorgang des Atmens folgen. Ein großer Spaß sind deswegen auch zur Zeit meine Sprachnachrichten bei WhatsApp. „Hallo, na, wie gehts? Ach Mist, was wollte ich denn jetzt eigentlich von dir?“ Oder auch: „Ich habe mir wirklich alle sechs Minuten deiner Sprachnachricht angehört, hab‘ aber leider alles irgendwie schon wieder vergessen. Ich höre mir alles nochmal an, sobald ich Zeit habe und antworte dir dann einfach in Etappen um sicher zu gehen.“ Ein dickes Sorry geht an dieser Stelle deshalb an alle Menschen, die sich mit mir unterhalten müssen oder wollen. 😀 Für meinen Blog habe ich bereits neun Artikel im Entwurf, drei davon sind fast fertig. Aber ich komme einfach nicht wirklich zum Ende. Es fließt nicht, die Worte strömen nicht wie gewohnt aus mir heraus. Und Sinn machen sie vermutlich schon mal gar nicht. Das kann ich aber schwer beurteilen. Ich kann mir selbst kaum folgen, wenn ich spreche, schreibe oder irgendetwas anderes mache.  Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass jede Tätigkeit, ob im Haus oder außerhalb, ob mit Freude oder Pflichtgefühl verbunden, gerade irgendwie zu viel ist. Wenn ich könnte, würde ich fröhlich den ganzen Tag im Schlafanzug verbringen, mir Essen direkt an die Bettkante liefern lassen und zu jeder vollen Stunde wieder ein 30-minütiges Nickerchen machen. Hach, das wäre fantastisch.

Lange habe ich mich verzweifelt gefragt, woran das liegt. Bin ich mit meinen fast 30 Jahren einfach zu alt für eine weitere Schwangerschaft? Gehöre ich mittlerweile zum alten Eisen und mache den ganzen Spaß nicht mehr so unbeschwert mit wie noch vor drei Jahren? Liegt es am Wetter? (Das Wetter ist im Zweifelsfall immer die Antwort auf jede Frage, müsst ihr wissen. Zumindest ist das bei vielen Menschen in meinem Umfeld so.) Ist vielleicht irgendetwas ernstes? Was stimmt da nicht?

Dass mir die Dinge, wie Wäsche waschen, bügeln oder staubsaugen nicht viel Freude bereiten, in Ordnung. Damit kann ich leben. Ist ja nicht unbedingt so, als wäre ich vorher jemals in Ekstase ausgebrochen, wenn ich an die Hausarbeit gedacht habe. Aber dass mir sogar die Sachen, die mich ausfüllen, auf die ich mich normalerweise unglaublich freue, keinen Spaß mehr machen und immer mit einem gewissen Sich-Aufraffen-Müssen verbunden sind, das ist schon sehr schwer zu verstehen und zu akzeptieren.

Laut meinem Frauenarzt war soweit immer alles in bester Ordnung, was natürlich einerseits unglaublich befreiend war, andererseits aber dazu führte, dass ich mich noch mehr wunderte, was denn da eigentlich bei mir los ist. Ich habe schon immer Kreislaufprobleme. Vielleicht sind diese in der Schwangerschaft einfach noch stärker, aber ansonsten ist tatsächlich alles in Ordnung? Meine liebe Hebamme aber war es, die dann – Gott sei Dank – relativ schnell feststellen konnte, was bei mir nicht stimmte. Schon nach dem ersten Überprüfen meines Eisenwerts war klar: hier liegt das Problem begraben. Ich kann euch gar nicht sagen, welcher Eisenwert als optimal gilt. Ich weiß nur, dass meine Hebamme auf das Hb-Testergebnis von 8,7 blickte und mir versicherte, dass es in diesem Fall absolut nicht verwunderlich wäre, wenn ich mich fühlte, als hätte mich ein Schwertransporter überrollt.

Ein Eisenmangel also? Ja, das ist doch super. Nichts ernstes, was man mit ein paar Tabletten easy wieder in den Griff bekommt. Oder? Meine Hebamme verschrieb mir Tardyferon, was ich einmal täglich am Abend zu mir nehmen sollte. Als keine, beziehungsweise keine spürbare Veränderung eintrat, empfahl sie mir die doppelte Portion einzunehmen, also einmal am Morgen und einmal am Abend. „Am besten mit Orangensaft! Eisen löst sich besser mit Vitamin C.“ Gesagt getan. So handhabe ich es jetzt etwa seit drei Wochen. Leider muss ich gestehen, dass immer noch keine Besserung eingetreten ist. Ob mit Orangensaft oder ohne, ob mit massig grünem Gemüse und rotem Obst oder nicht, einen entscheidenden Unterschied kann ich leider immer noch nicht feststellen. Meine Hebamme kündigte bereits gleich zu Beginn an, dass sie mit Tardyferon zwar meistens Erfolg hatte bei ihren Patientinnen, aber nicht jeder dasselbe Produkt immer gleich gut aufnimmt. Ich nehme es offensichtlich nicht gut genug auf, da bin ich mir sicher. Als nächstes werden wir es dann wohl mal mit anderen Mittelchen versuchen müssen, die dann im besten Falle effektiver für mich sind. Wenn mein Frauenarzt meinen Eisenwert misst, kommen übrigens immer relativ zufriedenstellende Ergebnisse raus. Ebenfalls zu niedrig, aber bei weitem nicht so extrem wie beim Messgerät meiner Hebamme. Höchst merkwürdig und so gar nicht aufschlussreich. Was ich davon halten soll weiß ich nicht so genau. Wer mit seinem Messergebnis richtig liegt, auch nicht. Schwankungen sind normal, jeder Tag ist neu und kann ein wenig besser oder schlechter als der vorherige sein. Aber dieser Unterschied, der immer nur abhängig vom Messgerät zu sein scheint, ist schon etwas verwunderlich. Mein Eisenwert ist auf jeden Fall nicht besonders gut und führt eben dazu, dass ich mich unkonzentriert und müde fühle. Dauerhaft. Was am Ende des Rätsels Lösung sein wird? Wir werden es erleben…

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Bis es diese Lösung gibt, liege ich hier in meinem Schlafanzug. Erfreue mich an dem Alltag, den ich trotz  Eisenmangel-LKW auf meinen Schultern irgendwie meistere. Versuche, das, was ich schaffe, für genug zu befinden. Für den Moment. Und halte mir immer vor Augen, dass jede blöde Phase ein Ende hat. Immer. 🙂

Liebste Grüße, Verena

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