Brief an Papa

Lieber Papa,

noch bin ich in dem Alter, in dem ich dich jeden Tag ganz genau spüren lasse, was du alles so verbockst oder ganz besonders toll machst. Ich meckere lautstark wenn du es wagst, das Wasser vor dem Saft in meinen Trinkbecher zu schütten und sage dir mit einem Lächeln im Gesicht, dass ich dich liebe, wenn du mich Huckepack durch die Gegend trägst. Heute, an Vatertag, meint Mama aber, dass es schön wäre, wenn ich auch hier in einem offenen Brief mal so erzähle, was genau an dir überhaupt so liebenswert ist.

Na gut… Sind wir mal ehrlich: an ein paar Sachen muss unbedingt noch gearbeitet werden. Ich mag es zum Beispiel gar nicht, dass du ständig mit Mama übereinstimmst, was meinen Süßigkeitenbedarf angeht. Ich weiß immer noch am besten, wann genug wirklich genug ist und sage dir, dass wirklich und ganz ehrlich auch nach dem vierten Keks immer noch Platz in meinem gar nicht mehr so kleinen Bäuchlein ist. Auch das eine Päckchen Gummibärchen, das ich manchmal haben darf, kann doch nur ein schlechter Witz sein. Als hättest du dich jemals mit solch einem kleinen Päckchen vergnügt…

Ach Papa… da schimpfst du ständig über die Politik und über das, was in der Welt so vor sich geht, bist aber so gar nicht demokratisch wenn es ums Naschen, Zähneputzen oder Anschnallen im Auto geht. Ich habe langsam das Gefühl, ich bin hier gar nicht wirklich der Chef. Und das war ja wirklich gar nicht so abgemacht.

Ich finde es auch nicht gut, dass du immer so viel arbeitest. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir uns die ganzen Ü-Eier und Spielsachen wirklich nicht mehr kaufen können, wenn du das sein lässt. So teuer sind die gar nicht. Und den ganzen anderen Quatsch brauchen wir sowieso nicht so dringend. IMG_5731Viel lieber bin ich nämlich mit dir im Garten, lasse mir von dir zeigen, wie der Gartenschlauch funktioniert oder schaue dir während des Planschens dabei zu, wie du unseren Rasen hegst und pflegst. Mit dir auf dem Bagger gesessen zu haben war natürlich das Größte. Dass ich den Papa mit dem tollen Bagger habe, da sind meine Freunde immer noch alle ganz neidisch drauf. Den müssen wir wirklich mal öfter gemeinsam fahren! Oder du nimmst mich wenigstens immer mit ins Büro. Ich liebe es, mich dort mit Textmarker zu verschönern, durch die Räume zu flitzen und allen über die Schulter schauen zu dürfen. Und wenn ich dann noch ein bisschen „Findet Nemo“ auf dem großen Fernseher gucken darf höre ich ganz bestimmt auf, deine Emails  an die Kunden am Laptop zu sabotieren. Apropos „Findet Nemo“: wir könnten auch öfter mal Fernsehen. Ich denke, du solltest dich da wirklich mal gegen Mama durchsetzen. Du machst das doch genau so gern wie ich und wenn wir uns zusammentun, hat Mama keine Chance, dann sind wir in der Überzahl. Aber wir gucken Kikaninchen, ist ja klar. Deinen Kram find‘ ich total blöd. Bumm Bumm hier, schnelle Autos da. Aber wehe, ich rufe hinten im Auto: „Schneeeelleeeeeeer Papiiiiii!“ Da hast du bist jetzt fast nie auf mich gehört.

Ich fordere neben der Süßigkeiten-Flatrate, der gemeinsamen Garten- und Bürozeit zusätzlich nur noch einen Wickel-Stopp (ich werde mich schon irgendwann melden, wenn die Windel wirklich zu voll ist), eine Schaukel, eine Rutsche und einen eigenen Rasenmäher im Garten, genau so spät wie Mama und du ins Bett gehen zu dürfen, ein Bällchenbad in jedem Raum des Hauses und natürlich, dass endlich ich die Regeln machen kann. Alle! Wo wir schon dabei sind, erwarte ich, dass ihr euch endlich eine Alternative zu dem blöden Haare Waschen ausdenkt. Baden und alles nass spritzen ist ja cool, aber auf dem Kopf brauche ich den ganzen Mist wirklich nicht. So, und das wars dann eigentlich. Wenn du da endlich mit mir zusammen arbeitest, Papa, kann das alles super zwischen uns laufen. Abgesehen von diesen Sachen machst du nämlich vieles ganz schön gut.

Ich finde es toll, dass du mich trägst, wenn Mama mal wieder sagt, dass das mit dem dicken Bauch so schlecht geht. IMG_0137Auf dich kann ich da immer zählen, du machst niemals schlapp. Mal auf den Schultern, mal auf dem Rücken, mal auf dem Arm, mal im Schleudergang während einer wilden Drehung. Bei dir wird es nicht langweilig! Danke, dass du mich auch immer so geduldig und liebevoll ins Bettchen bringst. Ich mag es, dass du dann immer nach meinem Tag fragst und ich dir in Ruhe all die guten und die weniger guten Dinge erzählen kann. Ich freue mich so, dass du immer meine Emma, meine Shelly oder meine Siggi suchst, wenn ich sie mal wieder nicht finden kann und auch meinen Nucki niemals verschollen sein lässt. Ich freue mich jeden Morgen darauf, mich gemeinsam mit dir fertig zu machen und von dir angezogen zu werden, auch wenn ich es nicht immer so gut zeigen kann. Wenn du mal nicht da bist, vermisse ich dich ganz doll. Und wenn ich von Mama bei der Tagesmutter geholt werde und anschließend bei uns zur Haustür herein komme rufe ich wirklich jedes Mal lautstark „Paaaaapaaaa“ und hoffe, dass du antwortest, weil du schon vor der Arbeit Zuhause bist. Ich liebe, dass man mit dir den ganzen Quatsch machen kann, bei dem Mama nur grinsend den Kopf schüttelt. Du kaufst mir auch die lauten Spielsachen, die die furchtbarsten Geräusche machen, weil du weißt, dass mir diese den größten Spaß machen. Und auch wenn du es Sonntag Morgen um 6 Uhr total bereust, plötzlich mit Mama übereinstimmst und das Ding am liebsten aus dem Fenster werfen würdest, weiß ich, dass du glücklich bist, wenn ich es bin. IMG_0997Mir dir kann ich all die coolen Sachen machen: bohren, hämmern, grillen, und manchmal darf ich sogar ans Steuer. Mit dir habe ich meinen ersten Fisch gefangen und du hast mir auch das erste Mal die Geschichte von Karius und Bactus erzählt. Seitdem macht das ganze Zähneputzen viel mehr Sinn und ich verstehe endlich, warum ich das so oft machen muss. Ich danke dir dafür, dass du dich so liebevoll um mich kümmerst, wenn ich ein Aua habe, die Wunde genauestens untersuchst, mir ein Pflaster aufklebst und immer wieder pustet. Ich finde es toll, dass du mich anrufst, wenn es auf der Arbeit mal länger dauert und ich dann schonmal ein bisschen mit dir reden kann. Danke, dass du nachts an mein Bettchen kommst, wenn ich einen schlechten Traum hatte oder ich einfach etwas zum trinken brauche. Du machst aus mir oder meinem Essen ein Flugzeug, fährst mit mir Karussell, nimmst mich stolz mit zu deinen Kumpels, kaufst mir beim Einkaufen was Leckeres, baust mein Bettchen auf, bringst mich mit Pupsgeräuschen zum Lachen, baust mir eine Höhle aus Kissen und Decken, schaukelst mit mir auf dem Spielplatz, zeigst mir wie man bowlt und wirfst mich durch die Luft.

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Ich freue mich immer noch riesig, dich jeden Tag begrüßen zu dürfen und freue mich auf alle weiteren coolen, aufregenden, freudigen Tage, die ich noch mit dir erleben darf.

Ich liebe dich, Papili.