Alles wie gehabt? // Die 2. Schwangerschaft

Wie schön, nochmal schwanger sein zu dürfen. ♥

Meine große Kleine und der wilde Bauchzwerg kommen fast auf den Punkt genau, mit drei Jahren Unterschied, auf die Welt. Das bedeutet, jeder Schwangerschaftsabschnitt wird zur gleichen Zeit durchlebt. In beiden Wintern kämpfte ich mit furchtbarer Übelkeit. Der Frühling verläuft dafür zweimal etwas ruhiger, mit trotzdem deutlich spürbarer, körperlicher Veränderung ab. Und im Sommer dann werde ich zum zweiten Mal rund und dick durch die Hitze kullern – falls ich noch in der Lage bin, zu kullern. Während der ersten Schwangerschaft war selbst das zum Schluss kaum noch möglich und jeder, der die Dimension meines Bauches diesmal sieht, denkt, dass ich bereits noch in diesem Monat ein Kind auf die Welt bringen werde. Aber auch das ist nichts Ungewöhnliches. Bei meiner großen Kleinen wurde ich bereits im fünften Monat das erste Mal freudig gefragt, ob ich denn Zwillinge erwarte. Alles also wie gehabt, oder?

Fast…

Ablauf und körperliche Beschwerden sind im Groben absolut identisch. Heißhungerattaken gefolgt von Übelkeit und  Übelkeit gefolgt von Heißhungerattaken. In der Mitte der Schwangerschaft, die ich soeben durchlebt habe, der „absoluten Hochphase“, wie mein Frauenarzt so schön sagte, ist die Übelkeit weg. Damals wie auch heute. Stattdessen kämpfe ich im Moment mit Eisenmangel , Schweißausbrüchen, Herzrhythmusstörungen und Ischiasbeschwerden. Der Eisenmangel ist mittlerweile weitestgehend im Griff, was mein Leben ungemein erleichtert (niemals hätte ich gedacht, dass ein Eisenmangel so viele negative Konsequenzen haben kann). Auch Schweißausbrüche, Hitzewallungen und Ischiasschmerzen kenne ich aus Schwangerschaft Nummer Eins, wenn auch nicht ganz so stark. Die Herzrhythmusstörungen allerdings sind neu. Das war mir gar nicht bekannt, scheint aber während einer Schwangerschaft gar nicht mal so selten zu sein. Ich könnte Tabletten  dagegen nehmen, habe mich aber nach Absprache mit meiner Hausärztin erstmal dagegen entschieden, weil der kleine Bauchzwerg im besten Falle nichts abbekommen soll, was er nicht unbedingt braucht. Die Herzrhythmusstörungen sind in erster Linie unangenehm und schränken das Wohlbefinden ein, sind aber (zumindest in meinem Fall) nicht gefährlich oder gar lebensbedrohlich.

Schwangerschaftsstreifen habe ich während der ersten Schwangerschaft bis zum Schluss nahezu keine bekommen, diesmal kann ich schon jetzt einige entdecken. Diese hätte ich eigentlich eher beim ersten Kind erwartet, aber was soll’s… Hauptsache, die hübschen Streifen kommen überhaupt irgendwann. 😉

Beide Zwerge lassen es sich nicht nehmen, in meinem Bauch ordentlich Unfug zu treiben, zu strampeln, zu treten, sich zu drehen oder exotische Tänze aufzuführen. Da ist immer ordentlich was los, vor allem wenn ich mich hinlege. Diese Idee finden beide irgendwie gar nicht so toll. Wenn ich mir meine kleine Räubertochter heute so anschaue, dann weiß ich schon ganz genau, in welche Richtung unser Sohnemann wohl gehen wird.

Die erste Schwangerschaft wurde von mir gefeiert. Jedes Kilo, jedes Kleidungsstück, jede Veränderung. Dieses Mal bin ich genauso glücklich und erstaunt über das Wunder in mir – aber auch froh, wenn die Schwangerschaft vorbei ist und wir endlich zu viert und damit komplett sind. Es ist komisch und klingt vielleicht wahnsinnig nüchtern, aber dieses Mal freue ich mich viel eher darauf, den kleinen Mann begrüßen zu dürfen, die Familienplanung abzuschließen und meinen Körper wieder ganz alleine für mich zu haben. Das Erbrechen, die Müdigkeit, der Schwindel und alles weitere, was man so mit sich herumträgt, ist einfach wesentlich schlechter zu managen, wenn bereits ein kleiner Wurm da ist.

Der Hauptunterschied ist im Vergleich zu Schwangerschaft Nummer Eins daher nicht mein Körper, die Veränderungen oder die Probleme, die ich mit ihm habe. Nein, der gravierendste Gegensatz ist die Zeit. Zeit und Ruhe. Als ich mit meiner kleinen Großen schwanger wurde, hatte ich Zeit en masse. Ich erhielt sofort ein Beschäftigungsverbot und war ab Tag Eins Zuhause. Das war am Anfang großartig, irgendwann überkam mich aber die Langeweile. Die Kollegen und die Gespräche, die Kinder und die Aufgabe an sich fehlten mir furchtbar. Aber da war so, so, so viel Zeit zum Ausruhen, Entspannen, Vorbereiten… Was habe ich geplant, gebadet und geträumt. Das war toll. Ich war trotz der Langeweile sehr froh und habe es ungemein zu schätzen gewusst, dass ich diese Zeit so intensiv genießen konnte und mich derart gut auf mich, meinen Körper und die kleine Maus in meinem Bauch konzentrieren konnte. Auch im Nachhinein betrachtet war das eine unglaublich wertvolle Zeit, die ich nie mehr missen möchte. Jetzt, in Schwangerschaft Nummer Zwei, ist natürlich nicht mehr so viel mit Ruhe. Gebadet habe ich erst zweimal, der Bauch bekommt nicht mal annähernd so viele Streicheleinheiten wie vor drei Jahren – und aus  lauter Langeweile den Haushalt machen? Ha, undenkbar! Hausarbeit wird jetzt nur noch erledigt, wenn einer der hier lebenden Personen feststellt, dass man kaum noch zur Spül- oder Waschmaschine durchdringen kann. Und mittlerweile habe ich mich sogar dran gewöhnt. Langeweile gibt es nicht mehr, diesmal ist da neben dem Teilzeit-Job nämlich auch noch ein Kind. Ein Töchterchen, das Aufmerksamkeit, Liebe, Beschäftigung und einen geregelten Tagesablauf braucht. Eine Maus, die mal krank ist, ihre Trotzphasen hat (Halleluja!) oder mal nicht einschlafen kann. Außerdem ist da unser Haus, das noch nicht fertig ist und Zeit und Mühe kostet. Und der Partner, der nach wie vor in einem Job arbeitet, der sehr zeitintensiv und über die gewöhnliche 40-Stunden-Woche mit freiem Wochenende oder regelmäßigem Urlaub hinaus geht. In dieser Hinsicht könnten die beiden Schwangerschaften kaum unterschiedlicher sein. Vor drei Jahren blieb die Zeit gewissermaßen stehen, das „gewöhnliche“ Leben, der Alltag war ausgeschaltet. Stattdessen wehte für mich neun Monate lang ein ganz anderer Wind. Diesmal geht der Alltag weiter, außer meinem Körper verändert sich nicht mehr so viel. Meine Hebamme, die selbst drei Kinder hat, hat mich vor Kurzem gefragt, ob es mir denn auch so ginge, dass ich manchmal kaum mitbekomme, dass ich überhaupt schwanger bin. Und ja, es ist tatsächlich so. Es gibt Tage, da ist das Leben eigentlich exakt so, wie vor der zweiten Schwangerschaft. Morgens aufstehen, sich und Kind fertig machen, arbeiten gehen, Kind holen, Spielen, Haushalt, Abendessen, Kind ins Bett bringen. Und irgendwann liegt man dann mit seinem Partner auf dem Sofa und es fällt einem wieder ein: „Ach ja, da war ja was.“

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Die typische Werbe-Schwangerschaftsromantik fehlt diesmal, aber dafür gibt es ein anderes tolles Gefühl: Stolz. Selbst wenn es hier Zuhause teilweise aussieht wie Sau, die Arbeitskollegen auf mich verzichten müssen, weil ich krank geschrieben bin oder die große Kleine einen Disneyfilm guckt, statt pädagogisch wertvolle Spiele mit mir zu spielen, weil ich mich nicht gut fühle: irgendwie kriege ich das alles doch richtig gut hin. Das muss man sich auch mal objektiv vor Augen halten, auch wenn es zugegebenermaßen die meiste Zeit total schwer ist. Hätte mir jemand während der ersten Schwangerschaft erzählt, was ich doch alles so an einem einzigen Tag schaffen kann, hätte ich ungläubig gelacht. Aber es ist wirklich so. Irgendwie läuft es doch. Ich bin cooler, weniger ängstlich. Und wenn ich nicht gerade müde, gereizt, emotional, verzweifelt oder ohne jegliche Hoffnung auf Urlaub, Entspannung oder wenigstens ein regelmäßiges Hobby bin: wir lachen jeden Tag. Mindestens einmal. Und darauf kommt es ja letztendlich an.

Abschließend kann man wohl sagen, dass jede Schwangerschaft für sich besonders ist: die eine war die erste, die andere meine letzte Schwangerschaft (ich weiß, ich weiß, man soll niemals nie sagen – aber aktuell ist das der Stand der Dinge 🙂 ). Die eine steht für den Beginn eines völlig neuen, aufregenden, lebensverändernden Abschnitt, die andere vollendet ihn. Danach sind wir komplett, endlich. Und auch wenn jetzt alle Feministinnen auf die Barrikaden gehen: mit Abschluss der Familienplanung kann ich den für mich wichtigsten Punkt auf meiner Lebens-To-Do-Liste abhaken: Kinder haben! Alles, was danach kommt, sind „nur“ noch die Kirschen auf meiner unperfekten, aber perfekten Sahne.

Liebste Grüße, Verena

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