Ein Loblied auf unsere Tagesmutter

Eines der Dinge, die man im Leben viel zu selten macht? Sich selbst und auch anderen mal kräftig und voller Überzeugung auf die Schulter klopfen. Die ganzen falschen Entscheidungen, die Fehltritte, die bleiben einem meist lange in Erinnerung. Die Sachen aber, die man hervorragend gemeistert hat, die Situationen, in denen man die absolut richtige Entscheidung getroffen hat, die vergisst man oder sie kommen einem mit der Zeit doch nicht mehr ganz so fabelhaft oder bemerkenswert vor.

Ich muss mich heute selbst für eine Sache loben, die ich ganz fantastisch entschieden habe, und zwar: meine Kleine vor einanderthalb Jahren zur Tagesmutter gegeben zu haben. Ich war mir damals schon sicher, dass es das Richtige ist, auch wenn ich tatsächlich mehr als ein bisschen wehmütig war, meinen kleinen, damals 1,5 Jahre alten Schatz nicht mehr vollständig Zuhause zu betreuen. Waren wir bis dahin doch immer und ständig zusammen, nicht mal nachts konnte man uns trennen. Aber jetzt, da diese schöne, lehrreiche Zeit vorüber ist, bin ich mir sicherer denn je, dass alles perfekt war, so wie es war.

Man sagt ja insbesondere den Menschen, die selbst als Pädagogen tätig sind oder waren, nach, dass sie am kritischsten, vorsichtigsten, ängstlichsten und anstrengendsten gegenüber anderen Pädagogen sind, deren Dienste sie in Anspruch nehmen. Ich hatte also tatsächlich ein mulmiges Gefühl und Angst davor, dass ich einen ganz anderen Blick als andere Mütter auf sie und ihr Haus habe, dass mir jedes, winzige Detail negativ auffällt und ich grundsätzlich sowieso alles anders mache als diese bis dahin fremde Frau. Wenn es um meinen kleinen Simba geht, kann ich halt auch mal zu Mufasa werden (die Disney-Freunde werden verstehen, was ich meine). Aber nein, ich hatte großes Glück, denn bis heute hat sich der erste Eindruck gehalten: Faith, die Leiterin der Kindertagespflege „Krabbelmäuse“ kriegt Dinge erledigt, die ich nicht mal annähernd so sorgfältig und gewissenhaft hin bekomme. Die leckersten Gerichte zaubern, die dabei auch noch an Vielfalt und Qualität der Zutaten kaum zu überbieten sind? Oh ja, das kann sie. Zu gern hätte ich mich selbst manchmal zum Essen eingeladen. Immer den Überblick behalten, alles super durchdacht und organisiert? Kein Problem. Hier die liebevoll ausgerichteten Geburtstage, alltäglichen Hobbys und Gemütslagen der eigenen drei(!) Kinder, da noch Termine und Gassigehen mit dem kleinen Hund? Alles kein Problem. Da würde mein nicht vorhandenes Zeitmanagement allerdings schon lange an seine Grenzen kommen. Die Bude immer im absoluten Topzustand trotz einer kleinen Herde wildgewordener Kleinkinder? Ganz ehrlich, wie machst du das? So sah es bei uns nicht mal aus, als noch kein Kind da war. Basteleien, Spiele, Ausflüge, Lieder, den Kindern wurde immer was geboten. Und den Eltern auch. Fotos, Geschenke zu Weihnachten, Ostern, Mutter- und Vatertag, immer ein offenes Ohr und freundschaftlicher Kontakt.

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Jetzt ist diese schöne Zeit vorbei, es geht nun für unsere inzwischen so große Maus ab  August in den Kindergarten. Und ich altes Flenneisen habe doch wirklich geheult deswegen – nicht nur einmal. Im Nachhinein betrachtet hatte ich am Anfang nicht mal eine vage Vorstellung davon, wie schön es sein würde, für die Große und auch für uns als Eltern, dass sie bei Faith einen Platz hatte. Der so familiäre, private Kontakt, der meilenweit über das hinaus ging, was ich von der Arbeit in der Kita gewohnt war. Die liebevolle Einrichtung, die so mühevoll und in Handarbeit für die Kleinen zusammengestellt wurde. Der Alltag, der dem heimischen Leben so ähnlich war und damit die kleinstmögliche Umstellung für die Kinder bedeutete. Die geringe Anzahl der Kinder, die es ermöglichte, ein enges und sehr vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen. Dieses Wohlgefühl, die absolute Sicherheit, die man einfach nicht erzwingen kann. Alles irgendwie unersetzlich. Und ein klein wenig fürchte ich die bevorstehende Kindergartenzeit, die vermutlich ganz anders ablaufen wird. Mit Sicherheit schön, ebenso lehrreich und wichtig, aber eben anders. Ich werde vieles furchtbar vermissen. Wir alle, als Familie, sind in dieser Zeit gehörig gewachsen, haben gelernt, sind vielen interessanten Menschen begegnet, haben sogar Freundschaften geschlossen, und ja, außerdem auch noch Küsse verteilt (na gut, das gilt nur für die Kleine). Selbstverständlich wird all das sehr wahrscheinlich auch im Kindergarten passieren, aber die erste so wichtige Etappe des Alleinseins, des in-die-große-weite-Welt-geschickt-werdens ist damit nun abgeschlossen.

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Das Baby, das ich immer seltener in meinem Töchterchen sehe, sagt immer öfter Lebewohl und ich bin überglücklich, dass ich mich dazu entschieden habe, dass wir uns von diesem Baby, Hand in Hand mit einer so kompetenten und liebevollen Tagesmutter, immer ein kleines Stückchen mehr verabschiedet haben. Ich wünsche tatsächlich allen Eltern eine ebenso entspannte und sorgenfreie, unkomplizierte und erinnerungswürdige Zeit der ersten Betreuung außerhalb des eigenen Zuhauses. Das ist so viel wert und ebnet den weiteren Weg so wunderbar. Danke Faith!

Liebste Grüße, Verena

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